Das Projekt „Vielfalt gemeinsam erleben und gestalten“ soll die soziale Kompetenz unserer Auszubildenden steigern, indem es ihre interkulturelle Kompetenz stärkt.

Zurzeit haben ca. 8 % aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Dennoch haben die meisten Einrichtungen der Altenpflege nur wenig Erfahrung mit der Pflege von zugewanderten Menschen. So entstehen Missverständnisse, die eine „gute Pflege“ behindern und beim Pflegebedürftigen ein Gefühl von Diskriminierung hinterlassen.

Auch viele Pflegekräfte haben einen Migrationshintergrund. Aussagen unserer Kooperationspartner zufolge beträgt ihr Anteil bis zu 50 Prozent – Tendenz steigend.

Die Projektidee

Bei „Vielfalt“ geht es darum, deutsche Auszubildende und Auszubildende mit Migrationshintergrund zu sensibilisieren und interkulturell zu schulen.

Bestehende Vorurteile gegenüber Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe, Glauben etc. sollen überwunden und die Auszubildenden zu kultursensiblen Multiplikatoren in ihren Betrieben werden.

Dies erleichtert den Auszubildenden den Arbeitsalltag und lässt sie zu kultursensiblen Multiplikatoren in ihren Betrieben werden.

Projektziele

  • Stärkung und Förderung der kultursensibler Handlungsfähigkeit der Auszubildenden
  • Unterstützung der Teilnehmenden der Integrationsprojekte bei der beruflichen Orientierung durch Lernpartnerschaften/Tandems
  • Unterstützung der Dozenten der Ausbildungsklassen in der kompetenten Begleitung der Auszubildenden bei ihrer Entwicklung
  • Weitergabe von Wissen durch Präsentationen und Vorträge vor Fachpublikum

Modul 1: Projektwoche mit Workshops

Zwei Ausbildungsklassen á 25 Schüler*innen kamen in den Genuss einer jeweils einwöchigen Projektwoche, in denen ein interkulturelles Training durchgeführt wurde. Durch das Training sollten Auszubildende

  • Vielfalt erkennen und wertschätzen
  • für den Einfluss von Kulturen auf Wertvorstellungen und Verhaltensmuster sensibilisiert werden
  • Verständnis für fremde und eigene kulturelle Prägungen entwickeln
  • Verständnis für die Dynamik der interkulturellen Kommunikation erlangen
  • Rassismus, Diskriminierung und Vorurteile durch Auseinandersetzung mit Einstellungen und Verhaltensweisen verringern
  • ihre Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit Rassismus, Diskriminierung und Vorurteilen verbessern.

Modul 2: Train the Trainer-Seminar

Für die Dozenten und hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bonner Vereins wurde ein zweitägiges Seminar zu folgenden Themenbereichen angeboten:

  • Kultur, Interkulturalität und interkulturelle Kompetenz
  • Interkulturalität im schulischen Kontext
  • Machtstrukturen in der interkulturellen Zusammenarbeit
  • Strukturelle Diskriminierung und Alltagsrassismus
  • Techniken des interkulturellen Umgangs

Modul 3: Tandems

Es wurden Tandems aus den zuvor interkulturell geschulten Auszubildenden und den Teilnehmenden unserer Integrationsprojekte gebildet.

Hintergrund hierfür war die Idee, Vorurteile und Ressentiments im direkten persönlichen Kontakt abzubauen, was auch gelungen ist.

Modul 4: Interkulturrunde

Es wurde eine Interkulturrunde geschaffen, um die Projekterfahrungen und -ergebnisse in die Abteilung Ausbildung bzw. in die Lernfelder der Ausbildung zu integrieren. Die Interkultur-Runde ist eine fachliche Austauschrunde, die die curriculare Entwicklung im Bereich interkulturelle Kompetenzentwicklung in allen Lernfeldern unterstützt.

Dies erwies sich als sinnvoll, da die Integration von „Kultursensibilität“ in alle Lernfelder so als fortlaufender Prozess stattfinden konnte.

Modul 5: Fachtag

Auf der Fachtagung im Mai 2019 wurden Einrichtungen der Altenpflege, Dozenten und hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter*innen, Auszubildende und Teilnehmende der Integrationsprojekte des Bonner Vereins eingeladen. Hier wurde das Projekt „Vielfalt“ vorgestellt und die Projekterfahrungen und -learnings weitergegeben.

Modul 6: Unterrichtsordner

Im Rahmen des Projektes wurde ein Unterrichtsordner entwickelt , der Übungen und bewährte Praxistipps für die Planung und Durchführung von Trainingseinheiten zur interkulturellen Kompetenz zur Verfügung stellt. Der Unterrichtsordner ist gegen eine Schutzgebühr zu bestellen.

Er bietet zu jedem Kapitel zunächst einen inhaltlichen Input, um Begriffe zu erklären und theoretisches Wissen zu vermitteln. Dann folgen Übungen zu den betreffenden Themen, mit denen die Auszubildenden gezielt für diese Aspekte geschult werden können. Als besonders wirkungsvoll hat sich erwiesen, wenn für das interkulturelle Training – wie im Ablaufplan empfohlen – eine ganze Woche zur Verfügung steht, in denen die dort beschriebenen Module angewandt werden.

Nachhaltigkeit des Projektes

Das Projekt „Vielfalt“ hat einen wichtigen Impuls zur interkulturellen Organisationsentwicklung des Bonner Vereins gegeben. Damit erweitert der Verein seine kultursensible Handlungskompetenz auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Kultursensibles Handeln soll sich langfristig in allen Lernfeldern widerspiegeln. Dafür ist die erfolgreiche Verzahnung zwischen Klassenleitern, Auszubildenden, Schulleitung, Ausbildungsstätten und Projektleitern der unterschiedlichen Projekte wesentlich.

Die Teilnehmer des Projektes profitieren nachhaltig von den Lern- und Kontakterfahrungen.

Und last but not least ist im Rahmen des Projektes ein Unterrichtsordner entstanden, der als Blaupause für interkulturelle Trainings von Ausbildungsklassen (auch anderer Branchen) genutzt werden kann.

Weitere Informationen

Birgit Schierbaum
schierbaum@bv-pg.de
Tel. 0228-965454-28

Förderer

Das Projekt „Vielfalt“ wird gefördert von Bundesministerium für Wirtschaft und Energie